Der gemeinsame Weg

Lesedauer: 3 Minutes

Elternarbeit im Digitalisierungsprozess

Auch wenn meine S*S ab Klasse 7 es nicht mehr gern hören und schon gar nicht wahrhaben wollen: Sie brauchen zur Bewältigung ihres Schullebens die Unterstützung ihrer Erziehungsberechtigten.
Das mag sich vielleicht nicht mehr durch Hilfe beim Machen der Hausaufgaben darstellen oder beim ordentlichen Führen der Hefter, sondern verlagert sich für Eltern eher in Richtung „da sein, wenn man gebraucht wird“ und sei es beim Bezahlen der nächsten Klassenfahrt.

Unabhängig davon, wie das soziale, emotionale und finanzielle Umfeld eines Kindes in Deutschland heutzutage aussieht, der allergrößte Teil der Heranwachsenden bewegt sich in einer zunehmend digitalisierten Umwelt.
Dieser Umwelt fundiert reflektiert gegenüberstehen zu können bedarf es einiger Anstrengungen.

Diese notwendigen Anstrengungen sind den meisten S*S gar nicht bewusst: „Wieso? Mein Smartphone funktioniert, mein Insta-Accout hat niemals genug Follower,… alles gut, alles normal.“.
Aus dieser reinen Konsumentensicht herauszukommen ist oftmals weder gewünscht, noch wird dieser Schritt als notwendig erachtet.

Nichts desto trotz ist es heute Aufgabe von Schule genau diesen Schritt zu initiieren und zu begleiten.

Das digitale Leben der S*S endet aber nicht am Schultor, nein dahinter beginnt es erst richtig. Darum ist es wichtig und auch vielfach von ihnen gewünscht, das Eltern informiert und kompetent, Teile dieses Lebens ihrer Kinder begleiten, hinterfragen und beeinflussen können.


Die Elternakademie

An meiner Schule hat die „Elternakademie“ schon eine längere Tradition. Jedes Jahr findet eine zentrale Veranstaltung zu einem bestimmten Thema statt.
Im Januar 2020 wird dieser Tag dem „digitalen Leben“ gewidmet. Eine tolle Gelegenheit den gemeinsamen Lehr-, Bildungs-, und Erziehungsauftrag von Elternhaus und Schule zu stärken.

Aber wir wollen versuchen noch weitreichender mit den Eltern zu kooperieren.

So hatte ich z.B. gestern Abend die Gelegenheit den Wunsch: „Wir würden auch sehr gern einmal so lernen, wie unserer Kinder… Mit den Laptops und so. Können Sie und das mal zeigen?“ aus der Elternschaft meiner 7. Klasse aufzugreifen.

Wir trafen uns für gut zwei Stunden im Klassenraum und wühlten uns durch Punkte wie:

  • Wie kommen die S*S über ihren heimischen PC an die Inhalte aus der Schule?
  • Wie sehen eigentlich die Geräte aus, die die S*S in der Schule nutzen können?
  • Wie kam Humboldt auf seiner Reise durch Südamerika auf die Idee, dass es ein „Weltklima“ gibt? Dazu nutzen wir unter anderem die geniale InstaNovel von radioeins
  • Wie stelle ich Aggregatzustände im Teichenmodell als digitales Daumenkino da? Zum Einsatz kam hier die App „Flip-a-clip
  • Wie lernen die S*S das Tippen mit 10 Fingern?

Es wurde herrlich viel gelacht und besonders schön war die Aussage eines Vaters: „Mensch, ich beneide meine Tochter um so einen Unterricht.“


Kooperation mit der Gesamtelternvertretung und geplante Barcamps

Im nächsten Schritt, treffe ich mich in der kommenden Woche mit der GEV und stelle ihnen meine Idee für „geplante Barcamps“ vor:

  • Ein fester Termin alle zwei bis drei Monate.
  • Die Themen können im Vorfeld digital vorgeschlagen oder gewünscht und eine Woche vor dem Termin abgestimmt werden.
  • Als Referent*innen kommen (anfangs) S*S, K*K oder Eltern infrage.

Digitales Lernen auf der Schulhomepage

Da meine Schule noch am Anfang des Prozesses hin zu mehr digitalen Inhalten und Methoden steht, konzentrierte sich meine Unterstützung bisher stark auf die KollegInnen.
So steht ihnen unter anderem eine Intranetseite zur Verfügung, auf der sie diverse (mit screencastify erstellte) Tutorialvideos finden. Ebenfalls ist dort die Buchung unserer Gerätekoffer oder Meinereiner für direkten Support im Unterricht möglich.

Für die Schulhompage ist ein Bereich „digitales Lernen“ geplant, der ebenfalls Tutorials (z.B. „Wie logge ich mich von zu Hause ein?“) umfasst, sowie Infos zur Elternakadamie und den Barcamps, Regeln und Hinweise zur Nutzung der Infrastruktur, aber auch eine Linksammlung zu ausgewählten Webseiten mit Themen wie „Datenschutz“, „KI“, „digitale Arbeitswelten“, etc..


Das Labyrinth

Ob und in welchem Umfang diese Angebote angenommen werden, wissen wir natürlich im Vorfeld nicht.
Wichtig ist uns das Angebot und die Möglichkeiten ins Gespräch miteinander zu kommen, im Gespräch miteinander zu bleiben und vor allem den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass sie mit den Herausforderungen der digitalen Welt nicht alleine sein müssen, wenn sie es nicht sein wollen.

Aufbruch

Lesedauer: 2 Minutes

Sommer 2018 – Hitzewelle. Umzug von Hamburg nach Berlin.

Tafel und Kreide

Vorgestellt wurde mir meine neue Arbeitsstätte als „Tafel- und Kreide-Schule“ und das mit einem gewissen Stolz.
Vielleicht auch ein wenig als Gegengewicht zu dem was in meiner Bewerbung zu lesen war: 13 Jahre an meiner vorherigen Schule, davon allein sieben Jahr innerhalb eines 1:1-Projekts „digital und vernetzt lernen“.
Ich war es gewohnt, dass jede(r) meiner S*S ein iPad hat, die Zusammenarbeit über die Google Suite Education läuft. Kopien oder Kreide waren mir eine Weile schon nicht mehr untergekommen.
Neben meiner Fächerkombination waren diese Erfahrungen vermutlich mit entscheidend für meine Einstellung und so bekam ich auch gleich IT-Funktionsstunden zugewiesen.

Bestandsaufnahme

  • Klassen- und Fachräume mit Beamern und Dokumentenkameras ausgestattet
  • WLAN flächendeckend vorhanden (ganz neu!)
  • 16 Android Tablets zur Ausleihe, administriert über relution
  • sieben Windows 7-PCs als L*L-Arbeitsplätze
  • Zwei Computerräume mit insgesamt 32 Windows-7 PCs
  • Ein Linux-Server für die Domain-Anmeldung
  • ITG-Unterricht in Klasse 7, davor und danach kein Informatikunterricht

Kleiner IT-Schock.
Die ersten Stunden ITG-Unterricht in den Computerräumen kamen mir vor wie der Besuch in einem Technikmuseum. Nur dass dort die Ausstellungsstücke vermutlich in einem besseren Gesamtzustand sind.

Offene Ohren

Der Schulleiter bat mich nach den ersten Wochen zu einem Meinungsaustausch, um über meine Eindrücke zu sprechen sowie mir seine Vorstellungen über die „Digitalisierung“ der Schule vorzustellen.
Das klang nun in manchen Teilen nicht mehr nach „Kreide- und Tafel-Schule“, sondern spiegelte den Wunsch, mit einem Konzept die Ausstattung der Schule zu verbessern und damit das Angebot für die S*S im Bereich der Informatik und der zeitgemäßen Bildung aufzubauen.

Konzept

Ein Konzept sollte her. Ein bisschen Konzept. Eher Not-OP-Konzept, da gerade Mittel zur Verfügung standen.

Dringendes zuerst.
Weg von den Computerräumen.
Weg von Domainanmeldungen, die die ersten zehn-fünfzehn Minuten des Unterrichts in Anspruch nahmen und selbst dann nicht zuverlässig liefen.

Wünsche.
Die Möglichkeit überall in der Schule digital zu arbeiten.
Kollaborativ zu arbeiten.
Einfache Administration des Gesamtsystems.

Lösungsideen.
Einführung der Google Suite Education (GSE).
Nutzung von Chromebooks.

Die GSE kannte ich bereits aus Hamburg. Chromebooks sind seit Jahren meine privaten Arbeitsrechner. Für mich (und viel Schulen weltweit) eine überzeugende Kombination im Bildungsbereich (technisches, datenschutzrechtliches, administratives folgt in späteren Sonderausgaben).

Zwitschern bis zum Pilotprojekt

Seit einigen Jahren bin ich bei Twitter angemeldet, wobei sich meine Aktivität, mit dem Wunsch nach Vernetzung in der neuen Heimat, deutlich verstärkt hat.
Auf diesem Weg entstand der Kontakt zu vielen tollen K*K innerhalb des #twitterlehrerzimmers, aber auch zu Martin Rist von HP, einem der wenigen Anbieter von Chromebooks in Deutschland.
Die Idee für meine Schule ein Pilotprojekt aufzusetzen entstand. Als weitere Partner konnten Google Deutschland und Cloudwürdig gewonnen werden.

Pilotprojekt

Die Organisation des Projekts lief alles in allem erstaunlich reibungslos.
Nun ist die Schule mit 35 HP Chromebooks 11 x360 G1, einer funktionierende Google Suite Education, zwei Transportkoffern sowie Trainings versorgt.

Aufbruch

Geschafft.

Reise

Technik ist kein Selbstzweck. Unterricht soll in vielen Aspekten verändert und erweitert werden.
Jetzt geht die Reise erst los! Es folgen in Zukunft also Reiseberichte und ein paar Sonderausgaben (technisches, datenschutzrechtliches, administratives).